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Ingo Schulze
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Cover von Ingos Buch Ingos Erfahrungen als Organisator des „TE-FR 2012. Das Buch hat 205 Seiten. ISBN 978-3-95488-207-6. Preis: 12 Euro. Alle Bücher können beim "Engelsdorfer-Verlag" bestellt werden. Gern können die Bücher auch bei Ingo direkt bestellt werden und er schreibt eine Widmung hinein. Cover von Ingos Buch ingosbuchText3
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deIngo SchulzeNicht mehr lange bis zum Start

Nicht mehr lange bis zum Start

Ingo Schulze

Etwa zehn Tage vor dem Start meldete sich Karin Jäckel mit der Information, dass sich das „ARD Morgenmagazin“ bei ihr gemeldet hat und ob man sich vorstellen könnte, dass der Start nicht in Spandau auf dem Marktplatz, sondern in Charlottenburg bei der Internationalen Funkausstellung“ stattfinden könnte. Meine Reaktion war natürlich ein sofortiges „Ja“. Es ist nicht nur so, dass wir ins Fernsehen kommen, sondern mit solchen Aktionen wird der Ultralangstreckenlauf der Öffentlichkeit näher gebracht.

Man sollte doch einmal eine Befragung durchführen, ob die Leute etwas über den Ultralangstreckenlauf wissen. Die Information macht in der Regel bei der Marathondistanz von 42.195km dicht. Alles andere ist für den Fernsehsportler in seinem Ohrensessel nicht nachvollziehbar, wie auch? Als ich vor über 20 Jahren etwas über einen 100 km Lauf hörte, war ich hell begeistert. So etwas wollte ich auch mal machen. Wie sollte es aber mit dem Schlafen, Frühstück, Mittag- und Abendessen funktionieren und wer schleppt mir meinen Koffer hinterher? Als ich die Palette von Fragen einem Läufer vorlegte, runzelte der erst einmal die Stirn und schaute mich lange an. In seinem Gesicht war zu lesen: „Willst du mich verarschen?“ Ich wurde aufgeklärt und nun konnte er in meinem Gesicht lesen: „ Willst du mich verarschen?“ Es ist halt für den Nichtwissenden nicht nachvollziehbar und das müssen wir, als Ultralangstreckenläufer verstehen.

Es ging in die Endphase. Ich fragte telefonisch alle Polizeidienststellen, Ordnungsämter, Forstbehörden, Ordnungsämter, Verpflegungsstellen, Sanitäter, Hallenwarte und alle die mit der Sache zu tun hatten, ab. Jeder hob seine Hand und meldetet, dass alles klar ist und wir erwartet werden.
Ich stellte einen Ausrüstungsplan zusammen. Es wurden 2.500 Trinkbecher, Servietten, Plastikgeschirr, Salzbonbons, Traubenzucker, Plastikbeutel, Wasserkanister, Signalflaggen, Ordnerarmbinden, Warnwesten, Büro- und Schreibmaterial, Laptop, Drucker, Diktiergerät, Werkzeug, Sonnenschirme und sonstiger Kram eingepackt. Immer wieder ging ich meine Listen durch und überprüfte die Ausrüstung, Unterlagen usw. Es fiel mir immer etwas neues ein und es wurde Zeit, dass ich die Haustüre zumachte. Beim Schließen der Haustüre schaute ich noch auf mein Gerüst, an dem ich mir nicht ein einziges Mal, beim Verlassen des Hauses den Kopf stieß. Seit vier Wochen stand das Gebilde schon da und ich hoffte es nach meiner Rückkehr nicht mehr zu sehen.

Noch zwei Tage zum Start

Der Zeitpunkt war da und die Haustüre konnte endlich geschlossen werden. Die Firma KITTEL aus Sindelfingen überließ mir zu den allergünstigsten Konditionen einen „Sprinter“ Bus. Dieser wurde mit Sachen der Firma ULTRA SPORTS und POWER BAR bepackt. Dazu kam die gesamte Ausrüstung. Das Fahrzeug wurde von mir gefahren. Inge und Hansi waren Bei-fahrer. Mein Pkw wurde von meinem Sohn Thomas gefahren. Er nahm Sebastian mit. Die Teilnehmer Thomas Dornburg und Jürgen Schlotter nahmen hinten, gegen einen kleinen Fahrkostenzuschuss, Platz. Die Reise konnte losgehen.

Vor dem Start

Die Autobahn war wenig befahren und wir kamen nach Berlin gut durch. Wir konnten den Empfang der Teilnehmer vorbereiten. Klaus-Dieter Hartmann (Hardy) zeigte uns die Streckenänderung und ich war erfreut, dass die Änderung ohne große Probleme bewältigt werden konnte. Der Eingang zur Turnhalle war noch verschlossen und die Hausmeisterin, Frau Schmelter, befand sich auf einer Geburtstagsfeier. Glück muss der Mensch haben, ein Mitarbeiter der Stadt betrat gerade das Areal und ich konnte ihm klarmachen, dass ich gern meine Fahrzeuge abstellen möchte. Frau Schmelter zog mir später die Ohren lang. Wer aber die Hausmeisterin etwas besser kennt, der weiß, dass sie ein großes Herz hat, auch wenn sie nach außen hin etwas schroff erscheint, sie ist halt gewöhnungsbedürftig.

Am nächsten Morgen nahm ich Verbindung mit dem Aufnahmeleiter und den Kameraleuten auf. Es musste noch besprochen werden, wie der Start am nächsten Tag erfolgen soll und wer für ein Interview in Frage kommt. Der Aufnahmeleiter wollte einen der Erstplazierten vom „Spreelauf 2000“ und so kam nur Rene Strosny in Frage. Als Frau schlug ich Ruth Jäger vor. Die Beiden sollten vor der Sendung noch geschminkt werden. Ich bereitete Ruth und Rene vor und nannte ihnen einen Fragenkatalog von mögliche Fragen auf die sie sich vorbereiten konnten. Ruth erzählte mir später, dass sie deshalb eine unruhige Nacht hatte.
Die Teilnehmer trudelten im Laufe des Tages allmählich ein. Thomas übernahm die Registrierung und Sebastian hatte noch mit seinem Programm zu kämpfen. Simone Gernetzky hatte im letzten Jahr teilnehmen wollen, musste aber wegen eines Gipsbeines absagen. Es war schade, dass ich sie auch in diesem Jahr nicht dabei hatte, aber sie bereitete sich auf den „Spartathlon“ vor. Simone wollte sich aber um weiteren Transportraum für den Transfer der Läufer nach Charlottenburg kümmern. Später stellten wir fest, dass der Transportraum beim besten Willen nicht ausreichte. Simone übernahm die Bestellung eines Sammeltaxis. Die 35,00 DM mussten für einen Fernsehauftritt übrig sein.

Heinz Jäckel übergab mir einen Bilderrahmen von Joey Kelly mit einer kleinen Widmung und Autogramm. Joey stand kurze Zeit auf meiner Anmeldeliste. Ich hatte ihn auch beim DL98 für eine Etappe auf der Liste. Er musste dann allerdings kurzfristig wegen einer Plattenaufnahme in Nizza absagen. Damit waren etwa 300 Schüler und Schülerinnen in Assamstadt traurig. Sie hatten für Joey drei Stunden schulfrei bekommen.
Gegen Abend kam der Bezirksbürgermeister von Spandau, Herr Birkholz, der Bezirksbürgermeister von Charlottenburg, Herr Statzkowski und der Stadtrat, Herr Hanke. Aus Eibau kam der Ortsvorsteher, Herr Münnich und ein Mitglied des Gemeinderates Eibau-Walddorf, Herr Rößler. Mit beiden „Eibauern“ hatte ich schon ein freundschaftliches Verhältnis, so dass wir uns im weiteren Verlauf auf ein DU einigten. Frank Münnich nahm es mir daher nicht übel, als ich ihn irgendwann mit „Ortsrumsteher“ ansprach. Die Umstehenden lachten und er hatte seine neue Amtsbezeichnung weg. Frau Pawlik von der „Münch-Bräu“ Brauerei war mir durch Telefon, Fax, Handy und Email inzwischen bestens bekannt und so lernte ich sie einmal persönlich kennen.

FreibierUm 18:00 Uhr, nach dem Abendessen der Teilnehmer und Betreuer, war der Empfang in der Schulaula vorgesehen. Das Abendessen wurde vom DRK Spandau zubereitet. Es war gut und reichlich. Das Frühstück bestellte ich jetzt schon auf 07:00 Uhr. Mit einer kleinen Verzögerung konnte ich den „2. Internationalen Spreelauf“ offiziell eröffnen. Nach einer kleinen Einführung meinerseits, übernahmen die Bezirksbürgermeister und Frau Pawlik das Wort. Anschließend stellte ich den Spreelauf anhand verschiedener Schautafeln vor. Gegen 19:45 Uhr konnten wir zum gemütlichen Teil übergehen. Vor dem Schulgebäude gab es das Getränk, dessen Preis seit über tausend Jahren gleich ist, das FREIBIER. Wir ließen es uns schmecken. Uwe Decker, Verkaufsleiter der „Eibau-Brauerei“ in Berlin, schenkte uns das vielgepriesene preisstabile Bier aus. Er war ein unkomplizierter Mensch und wir freuten uns jeden Tag, wenn er am späten Nachmittag wieder bei und war. Die einen freuten sich auf ein lockeres Gespräch mit ihm, die anderen konnten das „Preisstabile“ kaum erwarten und Inge freute sich auf seine Anwesenheit, weil sie dann die Fahrzeuge wieder bestücken konnte. Ein dreifaches PROST, auf Uwe!!!

Die „Spreeläufer“ legten sich gegen 22:30 Uhr schlafen, nachdem jeder seine Ecke in der Turnhalle in Beschlag genommen hatte. Ich setzte mich noch kurz hin und ging meinen Zeitplan für den nächsten Tag durch. Mir war leicht mulmig. Die Sanis auf dem Weg zur ArbeitWird es alles nach Plan ablaufen? Gerade der Start bzw. der erste Tag ist wichtig für den weiteren Verlauf. Es war mir schon jetzt klar, dass das eine oder andere nicht planmäßig verlaufen wird. Es musste aber nicht gleich am ersten Tag sein. Zu meiner Beruhigung war für den Starttag schönes Wetter angesagt, auch das ist wichtig, auch wenn ich darauf keinen Einfluss habe, aber die Stimmung ist gleich eine andere. Mit dem Gedanken: „Es wird schon schief gehen“, legte ich mich schlafen.

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