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DailyReport

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de Nicht mehr lange bis zum Start
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Alles ist aus

Nicht mehr lange bis zum Start

Etwa zehn Tage vor dem Start meldete sich Karin Jäckel mit der Information, dass sich das „ARD Morgenmagazin“ bei ihr gemeldet hat und ob man sich vorstellen könnte, dass der Start nicht in Spandau auf dem Marktplatz, sondern in Charlottenburg bei der Internationalen Funkausstellung“ stattfinden könnte. Meine Reaktion war natürlich ein sofortiges „Ja“. Es ist nicht nur so, dass wir ins Fernsehen kommen, sondern mit solchen Aktionen wird der Ultralangstreckenlauf der Öffentlichkeit näher gebracht.

Man sollte doch einmal eine Befragung durchführen, ob die Leute etwas über den Ultralangstreckenlauf wissen. Die Information macht in der Regel bei der Marathondistanz von 42.195km dicht. Alles andere ist für den Fernsehsportler in seinem Ohrensessel nicht nachvollziehbar, wie auch? Als ich vor über 20 Jahren etwas über einen 100 km Lauf hörte, war ich hell begeistert. So etwas wollte ich auch mal machen. Wie sollte es aber mit dem Schlafen, Frühstück, Mittag- und Abendessen funktionieren und wer schleppt mir meinen Koffer hinterher? Als ich die Palette von Fragen einem Läufer vorlegte, runzelte der erst einmal die Stirn und schaute mich lange an. In seinem Gesicht war zu lesen: „Willst du mich verarschen?“ Ich wurde aufgeklärt und nun konnte er in meinem Gesicht lesen: „ Willst du mich verarschen?“ Es ist halt für den Nichtwissenden nicht nachvollziehbar und das müssen wir, als Ultralangstreckenläufer verstehen.

Es ging in die Endphase. Ich fragte telefonisch alle Polizeidienststellen, Ordnungsämter, Forstbehörden, Ordnungsämter, Verpflegungsstellen, Sanitäter, Hallenwarte und alle die mit der Sache zu tun hatten, ab. Jeder hob seine Hand und meldetet, dass alles klar ist und wir erwartet werden.
Ich stellte einen Ausrüstungsplan zusammen. Es wurden 2.500 Trinkbecher, Servietten, Plastikgeschirr, Salzbonbons, Traubenzucker, Plastikbeutel, Wasserkanister, Signalflaggen, Ordnerarmbinden, Warnwesten, Büro- und Schreibmaterial, Laptop, Drucker, Diktiergerät, Werkzeug, Sonnenschirme und sonstiger Kram eingepackt. Immer wieder ging ich meine Listen durch und überprüfte die Ausrüstung, Unterlagen usw. Es fiel mir immer etwas neues ein und es wurde Zeit, dass ich die Haustüre zumachte. Beim Schließen der Haustüre schaute ich noch auf mein Gerüst, an dem ich mir nicht ein einziges Mal, beim Verlassen des Hauses den Kopf stieß. Seit vier Wochen stand das Gebilde schon da und ich hoffte es nach meiner Rückkehr nicht mehr zu sehen.

Noch zwei Tage zum Start

Der Zeitpunkt war da und die Haustüre konnte endlich geschlossen werden. Die Firma KITTEL aus Sindelfingen überließ mir zu den allergünstigsten Konditionen einen „Sprinter“ Bus. Dieser wurde mit Sachen der Firma ULTRA SPORTS und POWER BAR bepackt. Dazu kam die gesamte Ausrüstung. Das Fahrzeug wurde von mir gefahren. Inge und Hansi waren Bei-fahrer. Mein Pkw wurde von meinem Sohn Thomas gefahren. Er nahm Sebastian mit. Die Teilnehmer Thomas Dornburg und Jürgen Schlotter nahmen hinten, gegen einen kleinen Fahrkostenzuschuss, Platz. Die Reise konnte losgehen.

Vor dem Start

Die Autobahn war wenig befahren und wir kamen nach Berlin gut durch. Wir konnten den Empfang der Teilnehmer vorbereiten. Klaus-Dieter Hartmann (Hardy) zeigte uns die Streckenänderung und ich war erfreut, dass die Änderung ohne große Probleme bewältigt werden konnte. Der Eingang zur Turnhalle war noch verschlossen und die Hausmeisterin, Frau Schmelter, befand sich auf einer Geburtstagsfeier. Glück muss der Mensch haben, ein Mitarbeiter der Stadt betrat gerade das Areal und ich konnte ihm klarmachen, dass ich gern meine Fahrzeuge abstellen möchte. Frau Schmelter zog mir später die Ohren lang. Wer aber die Hausmeisterin etwas besser kennt, der weiß, dass sie ein großes Herz hat, auch wenn sie nach außen hin etwas schroff erscheint, sie ist halt gewöhnungsbedürftig.

Am nächsten Morgen nahm ich Verbindung mit dem Aufnahmeleiter und den Kameraleuten auf. Es musste noch besprochen werden, wie der Start am nächsten Tag erfolgen soll und wer für ein Interview in Frage kommt. Der Aufnahmeleiter wollte einen der Erstplazierten vom „Spreelauf 2000“ und so kam nur Rene Strosny in Frage. Als Frau schlug ich Ruth Jäger vor. Die Beiden sollten vor der Sendung noch geschminkt werden. Ich bereitete Ruth und Rene vor und nannte ihnen einen Fragenkatalog von mögliche Fragen auf die sie sich vorbereiten konnten. Ruth erzählte mir später, dass sie deshalb eine unruhige Nacht hatte.
Die Teilnehmer trudelten im Laufe des Tages allmählich ein. Thomas übernahm die Registrierung und Sebastian hatte noch mit seinem Programm zu kämpfen. Simone Gernetzky hatte im letzten Jahr teilnehmen wollen, musste aber wegen eines Gipsbeines absagen. Es war schade, dass ich sie auch in diesem Jahr nicht dabei hatte, aber sie bereitete sich auf den „Spartathlon“ vor. Simone wollte sich aber um weiteren Transportraum für den Transfer der Läufer nach Charlottenburg kümmern. Später stellten wir fest, dass der Transportraum beim besten Willen nicht ausreichte. Simone übernahm die Bestellung eines Sammeltaxis. Die 35,00 DM mussten für einen Fernsehauftritt übrig sein.

Heinz Jäckel übergab mir einen Bilderrahmen von Joey Kelly mit einer kleinen Widmung und Autogramm. Joey stand kurze Zeit auf meiner Anmeldeliste. Ich hatte ihn auch beim DL98 für eine Etappe auf der Liste. Er musste dann allerdings kurzfristig wegen einer Plattenaufnahme in Nizza absagen. Damit waren etwa 300 Schüler und Schülerinnen in Assamstadt traurig. Sie hatten für Joey drei Stunden schulfrei bekommen.
Gegen Abend kam der Bezirksbürgermeister von Spandau, Herr Birkholz, der Bezirksbürgermeister von Charlottenburg, Herr Statzkowski und der Stadtrat, Herr Hanke. Aus Eibau kam der Ortsvorsteher, Herr Münnich und ein Mitglied des Gemeinderates Eibau-Walddorf, Herr Rößler. Mit beiden „Eibauern“ hatte ich schon ein freundschaftliches Verhältnis, so dass wir uns im weiteren Verlauf auf ein DU einigten. Frank Münnich nahm es mir daher nicht übel, als ich ihn irgendwann mit „Ortsrumsteher“ ansprach. Die Umstehenden lachten und er hatte seine neue Amtsbezeichnung weg. Frau Pawlik von der „Münch-Bräu“ Brauerei war mir durch Telefon, Fax, Handy und Email inzwischen bestens bekannt und so lernte ich sie einmal persönlich kennen.

FreibierUm 18:00 Uhr, nach dem Abendessen der Teilnehmer und Betreuer, war der Empfang in der Schulaula vorgesehen. Das Abendessen wurde vom DRK Spandau zubereitet. Es war gut und reichlich. Das Frühstück bestellte ich jetzt schon auf 07:00 Uhr. Mit einer kleinen Verzögerung konnte ich den „2. Internationalen Spreelauf“ offiziell eröffnen. Nach einer kleinen Einführung meinerseits, übernahmen die Bezirksbürgermeister und Frau Pawlik das Wort. Anschließend stellte ich den Spreelauf anhand verschiedener Schautafeln vor. Gegen 19:45 Uhr konnten wir zum gemütlichen Teil übergehen. Vor dem Schulgebäude gab es das Getränk, dessen Preis seit über tausend Jahren gleich ist, das FREIBIER. Wir ließen es uns schmecken. Uwe Decker, Verkaufsleiter der „Eibau-Brauerei“ in Berlin, schenkte uns das vielgepriesene preisstabile Bier aus. Er war ein unkomplizierter Mensch und wir freuten uns jeden Tag, wenn er am späten Nachmittag wieder bei und war. Die einen freuten sich auf ein lockeres Gespräch mit ihm, die anderen konnten das „Preisstabile“ kaum erwarten und Inge freute sich auf seine Anwesenheit, weil sie dann die Fahrzeuge wieder bestücken konnte. Ein dreifaches PROST, auf Uwe!!!

Die „Spreeläufer“ legten sich gegen 22:30 Uhr schlafen, nachdem jeder seine Ecke in der Turnhalle in Beschlag genommen hatte. Ich setzte mich noch kurz hin und ging meinen Zeitplan für den nächsten Tag durch. Mir war leicht mulmig. Die Sanis auf dem Weg zur ArbeitWird es alles nach Plan ablaufen? Gerade der Start bzw. der erste Tag ist wichtig für den weiteren Verlauf. Es war mir schon jetzt klar, dass das eine oder andere nicht planmäßig verlaufen wird. Es musste aber nicht gleich am ersten Tag sein. Zu meiner Beruhigung war für den Starttag schönes Wetter angesagt, auch das ist wichtig, auch wenn ich darauf keinen Einfluss habe, aber die Stimmung ist gleich eine andere. Mit dem Gedanken: „Es wird schon schief gehen“, legte ich mich schlafen.

Ingo Schulze zur 1. etappe

Berlin-Spandau nach Neu Zittau / 28.08.2001
54 km / 54 km gesamt
33.6 mi / 33.6 mi gesamt
46 tnamstart / 46 tngewertet

Tageswertung

1. 03 Rainer Koch Deutschland 3:48:54
2. 09 Henry Wehder Deutschland 3:49:17
3. 36 Ludger Garding Deutschland 3:57:35
 

Gesamtwertung

1. 03 Rainer Koch Deutschland 3:48:54
2. 09 Henry Wehder Deutschland 3:49:17
3. 36 Ludger Garding Deutschland 3:57:35

Start zur 1. Etappe - Die Berlin-Etappe

05:30 Uhr Wecken und anschließend die Sachen packen
06:00 Uhr Frühstück durch das DRK Spandau e.V.
06:30 Uhr Verstauen der Gepäckstücke in das Gepäckfahrzeug
06:45 Uhr Abfahrt nach Charlottenburg
07:00 Uhr Eintreffen in Charlottenburg bei der IFA, Halle 21, Tor 21
07:25 Uhr Die Läufer und Teilnehmer nehmen Platz im Studio der ARD
07:55 Uhr Start zum „2. Internationalen Spreelauf“ im Studio
Empfangshalle mit Empfangspreussen

Der Zeitplan konnte in etwa eingehalten werden. Rene und Ruth kamen gleich in die Maske und sollten für das Interview geschminkt werden. Es war wie im richtigen Leben: Der eine wird geschminkt und stirbt vor Aufregung tausend Tode und dem anderen wird das Mikrophon vor die Nase gehalten.
Auf einem Monitor konnte man verfolgen, wer gerade im Bild war. Die Bilder wurden als Lifeaufnahme direkt gesendet. Es wurden einige Läufer interviewt. Mein Sohn Reinhard berichtete mir gleich aus der Heimat. Die Werkfeuerwehr der DaimlerChrysler AG verfolgten die Sendung und meinten, dass ich mir vorher hätte die Haare kämmen sollen! Haare, was meinten die damit?

Überraschend war auch für mich, dass Guildo Horn den Startschuss geben sollte und dieses tat er sehr gründlich. Es war nicht nur ein Startschuss, sondern gleich fünf. Er war ein Typ wie er sich auch im Fernsehen, bei seinen Auftritten, gibt. Nicht gerade mein Fall, aber sehr witzig. Nachdem die Läufer, unter der Führung von Klaus-Dieter das Studio verlassen hatten, wurde ich noch vom Sender „Freies Berlin“ interviewt.Empfangspreussin mit Starthorn Es zog sich eine Weile hin, denn auch das war eine Lifeaufnahme und es musste auf den Einsatz gewartet werden und der verschob sich durch Werbung und irgendwelcher informativer Durchsagen. Dann war es soweit und auch ich konnte mich in das Berliner Getümmel begeben.
Der Start vor unzähligen Zuschauern im Fersehen
Klaus-Dieter führte das Teilnehmerfeld die ersten 800 Meter aus dem gröbsten Verkehr hinaus, dann war man auf Fußwegen und Klaus-Dieter musste rechts ran, damit die flotten Hirsche an ihm „vorbeihirschen“ konnten. FEUER FREI, FÜR DEN „2. Internationalen Spreelauf“.

Es war relativ ruhig auf den Straßen und ich kam nach einigen Ehrenrunden zum „Brandenburger Tor“. In diesem Bereich hielt ich mich eine Weile auf, um die ersten Läufer zu treffen. Horst Straube war mit seinen, bis jetzt drei  Radfahrern gerade auf meiner Höhe. Ein Radfahrer hatte ein schweren Schaden an seinem Untersatz und musste deshalb in ein Fahrradgeschäft, ein weiterer ist auf die Nase gefallen. Später sollte noch ein Unfall dazu kommen. Horst war gegen Etappenziel eine Weile auf sich allein gestellt. So dass die Markierung für ein kurzes Teilstück etwas spartanischer ausfiel.

Während ich so meine Läufer am Straßenrand begrüßte, erreichte mich Sieglinde Smolinski auf meinem Handy. Ich hatte mit ihr gar nicht mehr gerechnet und war zunächst freudig überrascht, dass sie doch noch teilnimmt. Aufgeregt teilte sie mir mit, dass sie sich auf dem Marktplatz in Spandau befindet und sie von dort abgeholt werden muss. „Oh nein!“ dachte ich. Ich war überglücklich am Brandenburger Tor zu sein und jetzt sollte ich zurück und dann wieder vor? Im Hintergrund vernahm ich eine männliche Stimme, die sagte, dass er sie dann fahren wollte. Ich wusste zwar im Moment nicht, wem ich diese Stimme zuordnen sollte, aber der Mann war mir sympathisch. Ich erwartete sie vor dem ADRION Hotel am Brandenburger Tor. 15 Minuten später war sie bei mir und wollte mir den Sachverhalt erklären. Was soll´s, ich nahm ihr Gepäck ins Fahrzeug und schickte sie auf die Reise. Später sagte sie mir, dass der Bezirksbürgermeister, Herr Birkholz sie gefahren hatte und zum 15 minütigem Zeitvertreib konnte sie, im Mercedes der S- Klasse, Fernsehen.

Ich holte die Läufer wieder ein und begleitete sie, „soweit es mir mit dem Fahrzeug möglich war. Dann fuhr ich nach Neu-Zittau vor und kümmerte mich vor Ort um den weiteren Ablauf. Thomas hatte bereits die Halle übernommen. Mit dem Wirt des „Volkshauses“ klärte ich noch ab, dass die Getränke der Teilnehmer und Betreuer selbst gezahlt werden müssten. Er war nicht so ganz glücklich über die Frühstückszeit um 05:15 Uhr, weil es dann noch keine frischen Brötchen gibt. Der erste Start sollte um 06:00 Uhr erfolgen. Um diese Zeit waren keine Brötchen zu haben. So gesehen hatten die Starter um 07:00 Uhr die besseren Karten. Meine Inge nahm aber Brötchen mit und verteilte sie an die Verpflegungsstände.

Sieglinde Smolinski konnte leider nicht in die offizielle Wertung genommen werde, da sie erst am Brandenburger Tor eingestiegen war. Michael Purwins verabschiedete sich am Abend und musste den Heimweg antreten. Berufliche Verpflichtungen hinderten ihm an die weitere Teilnahme. Er wollte einfach nur einen Tag dabei sein und Ultraluft schnuppern. Ich fand es prima, dass er extra für einen Tag, aus Buchholz in der Nordheide, zu und gekommen war. Michael sagte aber schon jetzt, dass er im nächsten Jahr unbedingt dabei sein möchte.

Gegen 18:00 Uhr bewegten sich alle Läufer und Betreuer zu Fuß, zum 700 Meter entfernten „Volkshaus“. Das Essen war gut und reichhaltig. Der Bürgermeister des Ortes, Herr Gangelmayer beehrte uns mit seiner Anwesenheit und sprach noch einige Worte zu uns. Er stellte uns unter anderem den Ort und seine Entstehungsgeschichte vor.
Die Halle war festlich geschmückt
Ich bereitete die Mannschaft darauf vor, dass die ARD den Start der zweiten Etappe wieder filmen wird. Es war noch ein gemütlicher Abend und ich war mit dem Tagesverlauf durchaus zufrieden und konnte jetzt der Sache etwas gelassener entgegensehen.

Ingo Schulze zur 2. etappe

Neu Zittau nach Beeskow / 29.08.2001
79.1 km / 133.1 km gesamt
49.2 mi / 82.7 mi gesamt
46 tnamstart / 45 tngewertet

Tageswertung

1. 03 Rainer Koch Deutschland 5:28:20
2. 09 Henry Wehder Deutschland 5:45:45
3. 11 Rene Strosny Deutschland 6:06:28
 

Gesamtwertung

1. 03 Rainer Koch Deutschland 9:17:14
2. 09 Henry Wehder Deutschland 9:35:02
3. 11 Rene Strosny Deutschland 10:05:34

Die Brücken-Etappe

Um 04:30 Uhr erwachten die ersten Teilnehmer und schlichen auf Zehenspitzen aus der Halle, um sich auf die zweite Etappe vorzubereiten. Gegen 05:00 Uhr kam Leben in die Bude und es war aus mit Zehenspitzenlaufen. Dieses Ritual wiederholte sich an jedem Morgen. Ein Teilnehmer bemerkte an einem dieser Morgenstunden, wie angenehm er es empfindet, wenn er zum Waschraum geht und er von jedem begrüßt wird. Die Begrüßung ist zwar manchmal etwas schwerfällig, aber es ist interessant festzustellen, dass man gefragt wird: „Wie geht es dir?“ „Was machen deine Haxen?“ „Wollen wir heute zusammenlaufen?“ Diese Fragen sind nicht einfach so daher gesagt. Die Leute interessieren sich wirklich für den anderen. Sie wollen wissen, wie es ihm geht. Es ist natürlich nicht zu verhehlen, dass manchmal etwas anderes dahintersteckt. So könnte ich mir auch vorstellen, ob man nicht nur wissen möchte, ob der andere heute noch eine Konkurrenz ist. Davon aber angesehen ist das Interesse für den anderen vorhanden und so etwas findet man nicht überall.

Die Gepäckstücke wurden hergerichtet und zum Teil vor den KITTEL Bus gestellt. Die ersten marschierten, zum Teil recht steifbeinig, zum 700 Meter entferntem „Volkshaus“. Die einen hatten ihren „Kampfanzug“ an (kurzes Höschen aus dem Läuferbeinchen mit Gänsehaut überzogen herauslugten) andere zogen es vor sich etwas überzuziehen, denn es war noch ein wenig schattig.
Der Wirt erwartete uns schon und die Mannschaft griff zu. Der Tisch war reichlich gedeckt und es war für jeden Geschmack etwas dabei.
Zweiter StartMeine Fernsehleute machten noch Aufnahmen in der Halle und kamen dann ebenfalls zum „Volkshaus“, um auch hier noch einige Aufnahmen zu machen. Ich übergab ihnen noch eine Streckenbeschreibung, weil sie uns noch unterwegs treffen wollten. Der Fahrer der Fernsehleute kam mit meiner Streckenbeschreibung nicht ganz klar und so wollte ich sie ihm erläutern. So ein Mist, es war die Beschreibung vom letzten Jahr und diese führte von Neu Zittau nach Berlin. Was soll der Geiz, es ist alles life. Er konnte sich die Sorgenfalten aus dem Gesicht kämmen und er bekam die aktuelle Beschreibung. Na also, er lächelte wieder.
Kurz vor dem Start war ich immer etwas flatterig und dieser Zustand wurde auch im weiteren Verlauf der Veranstaltung nicht besser. Er wird aber auch nach dem 20. Spreelauf nicht besser werden. So erging es mir beim Deutschlandlauf, kurz „DL98“ und beim „Spreelauf 2000“. Es ist ja auch kein Wunder, da soll der Start in wenigen Minuten sein und wie ist die Situation? Der eine muss noch auf dem Topf, der andere sucht seine Streckenbeschreibung, ein weiterer schüttet sich schnell noch eine Tasse Kaffee hinein usw. Ich versuche die Liste der Anwesenden abzuhaken und dann fehlt noch der Klaus und der, Karle ist zuviel und der Moritz meldet sich, obwohl er kein Läufer ist. Dann ist alles soweit und dann muss der Starter feststellen, dass seine Uhr noch im Kofferraum liegt. Trotz der Hektik konnte der Start jeden Tag beinahe auf die Minute vollzogen werden. Im Gegensatz zu meinen anderen Veranstaltungen habe ich mich inzwischen darüber hinweggesetzt, dass ich auf die Bummelanten warte. Startaufstellung und los. Wer noch nicht fertig ist, der muss eben hinterherlaufen. Im Grunde genommen sehr einfach, aber gerade bei einfachen Dingen bin ich manchmal recht schwerfällig. Der zweite Start wurde in der Regel von Thomas oder Sebastian gemacht. Es war noch nicht ganz hell und die Läufer setzten sich schwerfällig unter Beobachtung der Fernsehkamera in Bewegung.

Nun waren die Kameraden auf der Strecke und ich konnte meine Tasse Kaffee trinken. Mit dem Frühstück war es so eine Sache bei mir. Ich trank, wenn überhaupt, eine Tasse Kaffee und machte mich dann auf dem Weg. Meine Inge lief mir geradezu jeden Tag hinterher, um mir noch einige Scheiben Brot ins Handschuhfach zu legen, damit sie dort vertrockneten.
Zwischen 06:30 und 06:45 Uhr ging ich auf die Piste. Ich wollte die Läufer nach wenigen Km einholen, um ihnen noch einmal zuzuwinken. Horst und seine Truppe hatten zu dieser Zeit die Strecke schon etliche Kilometer markiert. Die Markierung war hervorragend. Am Abend zuvor setzte Horst sich auf seinen Drahtesel und markierte 10 oder noch mehr km mit Aufklebern. Nach dem Start nahm er noch einige Ergänzungen vor und perfektionierte die Markierung mit Kreidepfeilen. Ach ja, Kreidepfeile, unser Horst muss manchmal sehr viel Zeit gehabt haben. So freuten sich die Läufer über seine Kommentare und Hinweise. So zum Beispiel: „Ihr seid auf dem richtigen Weg“, „viel Glück“, „bleibt auf der Strecke“, „schon 12 km“, „noch 20 km“ oder er machte Pfeile und Kilometerangaben mit herumliegendem Tannenzapfen und Buschwerk. Seine Streckenmarkierung war durchweg gut bis sehr gut und dieses wurde ihm jeden Tag durch die Mannschaft und insbesondere der Teilnehmer aufs Neue bestätigt.

Durch seine reichhaltige Markierung war es auch für die Betreuerfahrzeuge oft hilfreich, dass sie ihren Weg zur nächsten Versorgungsstation fanden. Für die Versorgungsfahrzeuge war es nicht immer leicht, dass sie auf Anhieb ihr Ziel fanden. Henry hatte eine Beschreibung ausgearbeitet, aber die hatte er auch nur gemäß Karte machen können. Anders ist es nun mal nicht möglich und hierzu habe ich auch keine bessere Idee. Auf jeden Fall ist es für die Versorger sehr hilfreich gewesen und ich werde an dieser Beschreibung kaum etwas ändern. Geflucht haben sie manchmal nur über die vielen Umleitungen und Einbahnstraßen. Es war schon zum Verzweifeln, du siehst da vorn deinen vorgesehenen Versorgungsstand und musst dann kreuz und quer fahren. Horst versprach mir am letzten Tag, dass er auch im nächsten Jahr wieder gern dabei ist. Horst, du bist bereits vorgemerkt und brauchst eine gute Ausrede, um nicht dabei zu sein!

Harald Feihle war jeden Morgen bemüht, dass er den 1. und 2. Versorgungspunkt möglichst schnell besetzen ließ. Es wurde schon mal gebrummelt, dass es ja noch Zeit ist. Die Zeit im Startbereich räumte Harald ihnen aber nicht ein. Er war der Meinung, dass es egal ist, ob sie nun im Startbereich oder am Versorgungsstand warten und dann schon lieber am Versorgungsstand. Mann musste ja auch immer damit rechnen, dass etwas dazwischen kommt. Harald machte jeden Abend seine Betreuerbesprechung. Es war eine Sache, aus der ich mich heraushielt, denn so wie er es durchführte, entsprach es genau meinen Vorstellungen. Harald schien mir sehr sachlich und bestimmt. Ich kann nur hoffen, dass auch er mir weiterhin beim „Spreelauf“ zur Verfügung steht.

Die Spitzengruppe, bestehend aus Rainer Koch, Henry Wehder und Rene Strosny war dicht beisammen. Dicht dahinter waren Guus Smit aus Holland, Ludger Garding und Rainer Selch in Lauerstellung.
Ich musste nach Fürstenwalde vorfahren, um mich mit Bürgermeister Reim zu treffen. Der Treffpunkt sollte vor dem Rathaus sein. Auf dem Wege dorthin fuhr ich in die Eisenbahnstraße falsch hinein. Ein Autofahrer, der mir entgegenkam und Zeichen mit der Lichthupe gab, nervte mich zuerst, aber dann war ich ihm für diesen Hinweis sehr dankbar.
Auf dem Marktplatz traf ich dann Herrn Bürgermeister Reim, das Fernsehteam und die örtliche Presse. Der Verpflegungstand gab alles her, was aufzubieten war. Mein Handy machte sich bemerkbar und Horst berichtete mir, dass irgendwo bei km 51,8 eine Brücke nicht passierbar war. Ich rief bei der zuständigen Polizeibehörde an und ließ mir sagen, dass diese nur für den KFZ Betrieb gesperrt ist, Fußgänger dürfen diese auf eigene Gefahr benutzen. Ich war beruhigt und meldetet es Horst. Jetzt kam es knüppeldick, denn es musste bei km 55,5 noch eine weitere Autobahnbrücke geben und die war wirklich futsch. So ein blöder LKW Fahrer hat seinen LKW unter der Brücke durch Feuer entsorgt und dann musste das Ding aus Sicherheitsgründen abgetakelt werden. Die Polizei konnte mir hier schlecht weiterhelfen. Es gab hier noch einige Möglichkeiten durch den Wald, aber da musste man sich vor Ort selbst erkundigen, wie es weitergeht.

Das Fernsehteam hatte Blut geleckt. Was Brücke weg? wie geht es weiter? was machen sie jetzt? ist der Spreelauf gefährdet? was machen sie wenn.....? Ingo, dachte ich, bleibe jetzt ganz cool. Weltmännisch sagte ich dem Team, dass wir das schon hinbiegen werden. Innerlich bebte in mir ein Vulkan und meine Augen funkelten bereits dunkelrot. Was ich jetzt brauchte, war eine Sonnenbrille, aber ich trage normalerweise keine!
Endlich allein in meinem Auto sitzend, konnte ich in der Wortschatzkiste meine gemeinsten Flüche greifen, musste das jetzt sein? Vielleicht war es auch nicht so schlimm. Ich beeilte mich an den Ort der Panne zu kommen. Unterwegs wurde ich noch durch Anrufe aufgehalten. Endlich war ich in Briesen, hier musste es irgendwo sein. Meine Fernsehleute waren schon da und mir wurde immer wieder das Mikrophon vor die Nase gehalten. Wichtig war für mich, dass ich nach außen hin ruhig und gelassen blieb und nur keine Hektik zeige. Presse vor Ort ist schon Klasse, aber jetzt verfluchte ich sie. Wäre ich allein gewesen, dann wären meine Räder bis auf die Felgen durchgedreht und ich hätte ohne Umwege nach einer Alternative gesucht. Inge und Hansi wollten ein Stück zurückfahren, um eine weitere Möglichkeit der Autobahnüberquerung zu suchen. Horst kam jetzt leicht ins Rotieren und fuhr ebenfalls mit seinem Fahrrad zurück. Mir waren zu dieser Zeit die Hände gebunden, denn ich konnte nicht überall gleichzeitig sein.

Ich konnte noch so sehr auf die andere Seite der Brücke zu schauen, es gab hier absolut keine Möglichkeit. Ich fuhr in den Ort. Irgendjemand musste mir sagen können, wie ich da rüber komme. Dann sah ich auf Höhe der Sparkasse einen Hinweis zur „Kehrsdorfer Schleuse“ Na also. Jubilierend wollte ich es Hansi und Inge melden. Diese teilten mir allerdings mit, dass sie eine andere Möglichkeit gefunden und den ersten Läufer wieder zurückgeschickt haben. Schweißperlen rannen mir von der blanken Stirn. Zurückgeschickt? Was ist mit den anderen? Schnell konnte ich beruhigt werden. Der erste Läufer wurde angehalten und mussten etwa 2 km zurücklaufen, dann bogen sie links ab, um über einen Fußgängersteg wieder auf die geplante Strecke zu kommen. Nachfolgende Läufer waren am schimpfen und zeigten mir teilweise einen Vogel. Es war für sie schlecht nachvollziehbar: Sie kommen aus einer Richtung, biegen links ab, laufen bis zu einem Wendepunkt und laufen dann auf der Höhe, wo sie herauskamen wieder links. Hier stellt sich für den Läufer die berechtigte Frage, Warum sie nicht gleich geradeaus laufen durften? Die Antwort ist im Nachhinein sehr einfach und simpel: „Weil der erste Läufer bis zu diesem Punkt gekommen ist!“ Infolge dessen muss jeder nachkommende Läufer die gleiche Strecke laufen. Mit Zeitschiebereien und Zeitgutschreiben ist hier nichts zu machen. Eine andere Reaktion hätte den gesamten Wettkampf und die Zeitnahme in Frage gestellt. Ich könnte dann gleich nach der Sonnenuhr stoppen lassen.

Als einen sehr glücklichen Umstand war zu bewerten, dass die Vorsorgungsmannschaft der 5. Versorgungsstation sich zufällig hierhin verirrt hatte. So wurde dieser dann hierhin verlegt und sie hatten eine Kontrolle, wer den Wendepunkt angelaufen hatte. Die Fernsehreporterin war sehr hartnäckig und stellte jetzt den Versorgern Fragen, während ich mich jetzt aus dem Staub machte. Endlich allein!

Ein schönes ZielDie ganze Sache ist glimpflich abgelaufen. Hier mussten die Betreuer vor Ort reagieren. Hansi und Inge taten genau das Richtige. Ich musste jetzt lediglich nur genau über die Sachlage und Maßnahme informiert werden. Es ist aber zu überlegen, ob ich für den „3. Internationalen Spreelauf“ diese Änderung beibehalte.
An der blöden, nicht mehr existierenden Brücke wieder angekommen, folgte ich dem Hinweisschild „Kehrsdorfer Schleuse“ und schon befand ich mich auf der Autobahn. Ich habe nicht auf den Kilometerzähler geachtet, aber ich bin mindestens 20 km gefahren, bis ich ein weiteres Schild las, was mich zur Schleuse bringen sollte und schon war ich wieder auf der Autobahn. Man muss sich das mal vorstellen, da fährt man über 40 km, um auf die andere Seite einer Brücke zu kommen.

Meine Sanis meldeten sich und äußerten ihre Besorgnis, dass sie eventuell den nächsten Versorgungspunkt nicht rechtzeitig besetzen können. Ich glaube aber, dass sie es noch geschafft haben. Ich war wieder auf dem richtigen Kurs und brauchte jetzt einen Kaffee, obwohl mir ein „Underberg“ jetzt besser getan hätte.
Die ersten Läufer waren in Sicht. Thomas und Sebastian waren bereit für die Zeitnahme.
 




Zum „Sport- und Freizeit-Zentrum“ waren es beinahe 1.500 Meter zu laufen. Der Großteil der Läufer verzichtete auf einen Transfer. 45 Läufer konnte ich in Beeskow begrüßen. Der letzte Läufer benötigte 12:11,14 Stunden.
Das Essen war, wie jeden Tag auf 18:00 Uhr bestellt. Frau Leipold bewirtete uns wieder sehr gut. Die Menge stimmte allerdings nicht ganz und Die Letzten mussten auf die restliche Suppe, Bratwurst und Schweinemett ausweichen. Mit ein bisschen Phantasie konnte man doch noch satt werden. Das Essen wurde uns vor der Turnhalle, im Freien kredenzt. Die Stimmung war gut und Uwe fragte, ob er einschenken kann. Inge verteilte wieder die Getränke und Speisen. Es lief vieles automatisch und da konnte ich hin und her laufen, wie ich wollte, es lief einfach.

Ingo Schulze zur 3. etappe

Beeskow nach Lübbenau / 30.08.2001
83.9 km / 217 km gesamt
52.1 mi / 134.8 mi gesamt
45 tnamstart / 41 tngewertet

Tageswertung

1. 09 Henry Wehder Deutschland 6:33:21
2. 11 Rene Strosny Deutschland 6:47:48
3. 03 Rainer Koch Deutschland 6:51:10
 

Gesamtwertung

1. 09 Henry Wehder Deutschland 16:08:23
2. 03 Rainer Koch Deutschland 16:08:24
3. 11 Rene Strosny Deutschland 16:53:22

Die Königs-Etappe

Günter Brand ist heute morgen heim gefahren. Er hatte nicht nur läuferische Probleme. Er meinte auch, dass Wettkämpfe dieser Art nichts für ihn sind. Es war für ihn eine wichtige Erfahrung. Ein Sechstagelauf und Mattenlager in Turnhallen und dem ganzen Drumherum ist nicht jedermanns Sache. Es ist aber gut, dass er diese Erfahrung für sich auswerten konnte.

Thomas Dornburg, dem es am Vorabend sehr schlecht ging, hatte sich wieder aufgerappelt und dem „Spreelauf“ die Stirn gezeigt. Ich ermahnte ihn aber immer wieder zu verhaltenem Laufen. Er hatte Zeit und konnte auch lange Passagen marschieren.

Christian Hottas ist heute eingestiegen und wird den „Spreelauf“ über zwei Tage mitlaufen, dann muss er wieder in seine Praxis nach Hamburg. Es hat mich aber gefreut, dass er sich die Zeit für zwei Etappen genommen hat.

Der Masseurversorgungspunkt. Die Strecke geht links weiter.Wenn morgens die erste Gruppe startet, dann ist es noch recht schattig und der Morgen befindet sich noch in der Dämmerungsphase. Schon 15 Minuten später ist es gut hell. Für den Teilnehmer also kein Problem. Die Streckenmarkierer hatten es auf Grund der Dunkelheit, nicht so einfach oder sie mussten sich auf die Augen hauen, dass die Funken sprühten. Es ist aber kaum anders zu machen, denn die Hallen bekomme ich oft nur zeitlich begrenzt.

Es war eine wunderschöne Strecke zu laufen und ich beneidete die Läufer. Auf einem Waldweg, bei km 30, begegnete ich acht Radfahrer. Sie fuhren die „Tour de Spreewald“ von Görlitz nach Fürstenwalde. Wir unterhielten uns eine Weile und beklatschten die vorbeiziehenden Läufer.

Bei Tageskilometer 75,9 km war Bergfest. Die Hälfte war geschafft. Wer jetzt noch im Rennen war, der hatte gute Aussichten, dass er auch die zweite Hälfte durchhält. Ich gönnte es insbesondere denen, die im letzten Jahr ausscheiden mussten. Meine Hoffnungen erfüllten sich, sie haben es alle geschafft.

Vor Lübbenau wollte ich in der Nähe der Läufer sein und fuhr mit dem Auto parallel zu einem Damm, auf dem sie liefen. Kurze Zeit drifteten wir immer weiter auseinander. Ich befand mich auf einem Plattenweg, der seit der letzten Eiszeit nicht mehr befahren wurde. Manchmal sah ich den Verlauf der Strecke nicht, weil ich mich durch zwei Meter hohes Schilf durchkämpfen musste. Mein Weihnachtsgeld sah ich schon in der Autowerkstatt liegen. Dann endlich geschafft! Mein Auto war noch heil und mein Nervenkostüm hatte es einigermaßen knitterfrei überstanden. Die Frage war jetzt nur: Rechts oder links? Eine Entscheidung musste her und ich bog nach rechts ab. Nach wenigen 100 Metern war eine gut ausgebaute Fahrstraße in Sicht. Scheibenkleister, es war der Ausgangspunkt, bevor ich mich durch das Schilf gekämpft hatte. Einmal im Kreis gefahren, für nichts und gar nichts, oh Mann. Jetzt half kein Jammern, Thomas wollte, dass ich nach Lübbenau komme.

Auf dem Marktplatz wurden wir von zwei Damen des Verkehrsbüros mit „Spreewaldgurken“ empfangen. Die Läufer hatten etwa 750 Meter zur Halle in die Poststraße zu laufen. Herr Stöcker vom Sportamt erkundigte sich noch nach dem Wohlbefinden der Teilnehmer und versprach weitere Unterstützung, wenn noch etwas anliegt. Horst markierte sogar die Strecke vom Zieleinlauf zur Unterkunft.
 
 



Amüsiert hatte uns heute die Platzierung von Henry und Rainer. Es ging hier um eine einzige schlappe Sekunde! Rene musste sich also ranhalten!!!

Die Teilnehmer, die im letzten Jahr dabei waren, freuten sich schon auf das Abendessen. Frau Liesk von der Arbeiterwohlfahrt war wieder zur Stelle und tischte auf, was die AWO Küche hergab. Es gab unter anderem: Fischfilet, Gefülltes Hackfleisch, Geflügelmedaillons und dazu reichlich Nudeln, Kartoffeln und Reis. Es war auch an die Vegetarier gedacht. Für sie stand Grünkern und Käsemedaillons, sowie Sellerieschnitzel und Broccoli-Vollkorn auf der Speisekarte. Ich machte den Versorgern immer wieder auf Vegetarier aufmerksam. Nach meinen Beobachtungen wurde aber kaum von den Teilnehmern danach gefragt. Die Leute konnten noch so viel futtern, aber die Behälter waren nicht leer zu kriegen.

Einige machten noch ihren Verdauungsspaziergang in den Ort, andere ließen sich von den Masseuren verwöhnen oder kümmerten sich um ihre Blasen, Inge kümmerte sich um die Verpflegung, Harald machte seine Betreuereinweisung, Hansi half Uwe beim Leeren der Bierfässchen und so war jeder mit sich beschäftigt. Es war eine angenehme Atmosphäre und ich war mit der Welt zufrieden.

Heute hatte ich auch Zeit, meine Unterlagen gründlich wieder zu sortieren. Es ist für mich wichtig, dass die Unterlagen für den nächsten Tag bereitliegen.

Durch Nachlässigkeit hätte ich beinahe den Termin mit dem Bürgermeister in Fürstenwalde versäumt. Für jeden Tag hatte ich meine Termine und Adressen. Mit einer gewissen Ordnung konnte ich meinen Tagesablauf bequem abarbeiten.

Mein Tagesablauf sah so aus: Nach dem Aufstehen war mein Augenmerk schon auf das räumen der Halle gerichtet und ich räumte schon mal Matten und Hausmüll beiseite. Den Rest musste dann Thomas und Sebastian machen. Das Frühstück war abgesprochen und ich hatte damit zu keiner Zeit Probleme. Die Teilnehmer mussten zum Start und das war manchmal sehr nervig. Hier werde ich auch, wie schon gesagt, meine Nerven in Zukunft schonen. Wecken, Frühstück und Start. Jeder kennt den Ablauf und dann muss der Bummelant eben hinterherlaufen. Nach dem Start inspizierte ich noch mal die Halle und kümmerte mich um die Bezahlung der Zeche. Dann war ich auf der Piste. Alles weitere wurde durch Inge, Hansi, Thomas und Sebastian erledigt. So gut ich konnte und es die Zeit zuließ, fuhr ich noch die Versorgungsstände ab und konnte immer wieder zufrieden feststellen, dass meine Anwesenheit hier überhaupt nicht von Nöten war. Ich wollte dennoch nicht darauf verzichten, denn hier erfuhr ich auch etwas über die Stimmung der Teilnehmer und das war für mich sehr wichtig. Ein unzufriedener Teilnehmer lädt seinen Ärger und Frust doch als erstes bei den Versorgungsständen ab. Wo auch sonst? Es ist ja sonst niemand ansprechbar! Zwischendurch hatte ich dann meine Anrufe mit den Stadtverwaltungen, Polizei und Presse.

Ingo Schulze zur 4. etappe

Lübbenau nach Spremberg / 01.09.2001
75.2 km / 292.2 km gesamt
46.7 mi / 181.6 mi gesamt
41 tnamstart / 36 tngewertet

Tageswertung

1. 03 Rainer Koch Deutschland 6:13:38
2. 09 Henry Wehder Deutschland 6:19:04
3. 11 Rene Strosny Deutschland 6:31:52
 

Gesamtwertung

1. 03 Rainer Koch Deutschland 22:22:02
2. 09 Henry Wehder Deutschland 22:27:27
3. 11 Rene Strosny Deutschland 23:25:14

Die Deich-Etappe

Nach einem reichhaltigen Frühstück bei Frau Liesk konnten, sich die Läufer wieder, frisch gestärkt, in ihren Startgruppen auf dem Weg machen.

Die vierte Etappe führte die Läufer von Lübbenau nach Spremberg. Horst Straube fragte mich im Vorfeld, ob ich den Läufern Spremberg zeigen wollte. Er war der Meinung, dass meine Streckenbeschreibung in diesem Bereich sehr umständlich war. Ich hatte im Mai einige Schwierigkeiten und fragte mich durch. Irgendwann war ich auf  wundersame Weise wieder auf dem richtigen Kurs und war deshalb heilfroh. Ehrhard Heß aus Spremberg übernahm die Streckenänderung, die den Läufern zu Gute kam. Erhard organisierte heute auch den 8. Verpflegungspunkt in Bühlow.

Ich machte mich auf dem Weg zum „Bismarkturm“ in Burg. Es hatte seinen guten Grund. Hier wollte ich an einen großen Imbiss-Stand ein Frühstück einnehmen. Es war leider zu früh und so empfahl ich ihn daher den Versorgungsposten vor Ort.

Ab hier begaben sich die Läufer auf einem Deich der sie über den Gebieten von Schmogrow, Fehrow, Dissen, Maiberg und Skadow führte. Unterhalb des Deiches führte zum Großteil eine Fahrstraße.

Ich besuchte noch den 2. Verpflegungspunkt bei km 18,7 und wollte mich dann auf dem direkten Wege nach Cottbus begeben. In Cottbus hatten die Läufer es relativ leicht. Die Laufstrecke führte durch Parks und sie merkten das Stadtgetümmel von Cottbus nicht. Die Fahrer dafür umso mehr. Es war reiner Zufall, dass ich den Straßennamen „Frans-Mehring-Str.“ las. In diesem Bereich wollte Ilse Straube mit einer großen Portion Kuchen aufwarten. Horst und ich machten schon zwei Tage davor große Reklame. Ich glaube, dass einige Läufer die letzten zwei Versorgungspunkte deshalb ausgelassen haben. Ich freute mich schon darauf!

Vor einer Baustelle stellte ich mein Fahrzeug ab, wurde da schon wieder eine Brücke abgerissen?  Ich marschierte den Läufern durch den Park entgegen. Horst hatte hier so viele Aufkleber angebracht, wie kaum zuvor. Er meinte es hier besonders gut und hatte sie anschließend wieder entfernen lassen.

Nachdem die ersten Läufer durch waren, machte ich mich auf dem Weg in Richtung Stadtausgang. Es erwies sich für mich nicht so einfach. Da ich ohnehin tanken musste, fuhr ich eine Tankstelle an und fragte nach dem Weg. Als Ortsundkundiger ist es in keinem größeren Ort leicht, sich zu orientieren. Schneller als ich dachte kam ich aus Cottbus raus.

Auf dem Weg nach Spremberg bekam ich noch einen Anruf von der „Berliner Morgenpost“. Der ARD fragte noch mal nach dem Zwischenstand. Lothar Eberhard wollte aus Berlin anreisen und den restlichen „Spreelauf“ mit dem Fahrrad begleiten. Lothar ist freier Journalist und wollte den „Spreelauf“ hautnah erleben.

Am frühen Abend fing es an zu regnen. Meine beiden Zeitnehmer, Thomas und Sebastian, verlagerten ihre Zeitmessung in den KITTEL Bus. Während Thomas die Zeit nahm, übertrug Sebastian schon die Ergebnisse auf den Labtop. Wann immer er die Möglichkeit hatte, setzte er die Ergebnisse ins Internet unter: www.run.to/spreelauf. Jeder Interessierte konnte somit jederzeit die Ergebnisse oder Neuigkeiten aus dem Internet abrufen.

In Bühlow hatte ein Läufer leichte Orientierungsschwierigkeiten. Horst malte auf die Straße eine große Sieben. Die Spitze der Sieben sah er als Hinweis nach rechts. Als er seinen Irrtum bemerkte, lief es zum Ausgangspunkt zurück und schaute hier auf seine Streckenbeschreibung. Diese sagte ihm, dass er nach links laufen muss. Was tat er jetzt? Er lief also nach links und würde, wenn er es nicht bemerkt hätte, wieder in Berlin gelandet sein.

Ein anderer Läufer stand mitten auf der Kreuzung und fragte empört nach dem Weg, als er einen Schritt zur Seite trat, bemerkte er, dass er direkt auf einem Kreidepfeil stand.

Der Regen wurde heftiger und in mir kam der Wunsch auf, mal wieder einige Schritte zu laufen. Ich lief zum letzten Verpflegungspunkt der durch die Helfer von Erhard Heß besetzt wurde. Es waren einige gut gelaunte junge Leute. Sie ließen sich durch den Regen, nicht die Laune verderben.

Sehr viel Freude hatte ich an meinem übermütigen Lauf nicht. Genau viermal bin ich angerufen worden und sollte Auskunft erteilen. Auf dem Rückweg musste ich mich entsprechend beeilen. Meine Inge erwartete mich schon mit einem Zettel, was ich noch alles erledigen muss.

Frau Schindzielorz bewirtete uns. Das Essen war gut und schmackhaft. Leider stimmte hier die Menge überhaupt nicht. Einige Läufer saßen vor ihrem leergefutterten Teller und warteten auf Nachschlag. Der Wunsch nach Nachschlag wurde zurückgestellt, bis alle ihre erste Portion hatten. Für einen Veranstalter eine peinliche Situation. Im nächsten Jahr, so denke ich, wird der Wirt die Portionen doch größer gestalten. Es will vielen Leuten immer noch nicht in den Kopf, dass hier keine bescheidenen Gesundheitsapostel, die auf ihre schlanke Linie achten wollen, ins Ziel laufen, sondern Leute, die es gar nicht nötig haben auf ihr Figürchen zu achten. Man hat es hier mit Leuten zu tun, die mehrere Tausend Kalorien verbraucht haben und der Körper schreit förmlich nach Nachschub. Diese Leute fressen, wie die Wehrpflichtigen.

Die Letzten, zu den meine Inge, mein Sohn Thomas und ich gehörte, bekamen noch Würstchen mit Brot oder ähnliches. Was soll’s, wir haben alle überlebt. Wie ist mein Wahlspruch? Ihr sollt überleben und nicht Fett werden!

Hier noch eine nette Geschichte. Am Nachmittag fand sich noch eine Trauergemeinschaft im Vereinsheim ein. Es wurde Kuchen und Torten gebracht. Thomas ging mit Sebastian auf dem Gang entlang und entdeckten Fußspuren. Ist da jemand in die Schei... getreten? Sie folgten der Spur zurück und siehe da, Benjamin Nickel ist in eine Torte, die warum auch immer auf den Fußboden stand, getreten und hinterließ eine Spur bis zu seinem Schlafplatz. Der Schuldige war also gefunden. Ein Verantwortlicher der Trauergemeinschaft fand es sehr amüsant und er lachte laut los.

Ingo Schulze zur 5. etappe

Spremberg nach Bautzen / 02.09.2001
77.9 km / 370.1 km gesamt
48.4 mi / 230 mi gesamt
36 tnamstart / 33 tngewertet

Tageswertung

1. 03 Rainer Koch Deutschland 6:34:55
2. 11 Rene Strosny Deutschland 6:42:10
3. 09 Henry Wehder Deutschland 6:45:14
 

Gesamtwertung

1. 03 Rainer Koch Deutschland 28:56:57
2. 09 Henry Wehder Deutschland 29:12:41
3. 11 Rene Strosny Deutschland 30:07:24

Die Seenetappe

Noch nicht ganz zuende sanierte Halle im ersten StockAm nächsten Morgen war der Himmel dicht verhangen und sah grau in grau aus. Nur wirkliche Optimisten konnten sich Hoffnungen machen, dass sich der Himmel noch aufklart. Auch ich gehörte zu diesen Optimisten und versprach den Läufern und Betreuern, dass sich das Wetter schon beruhigen wird. Bei leichtem Nieselregen machten sich die Teilnehmer dennoch froh gelaunt auf dem Weg.

Ganz schön dunkel

Horst konnte seine Kreidepfeile heute vergessen. Er behalf er sich heute im Wesendlichen mit den Aufklebern. Diese wurden an Gräsern und dünnen Zweigen befestigt. Es galt heute, ein wenig Phantasie zu zeigen und davon hatten die Streckenmarkierer genug. Anfangs malte ich noch einige Kreidepfeile, denn zu diesem Zeitpunkt mussten sie maximal 1 bis zwei Stunden zu sehen sein.

In Spreewitz suchte ich den ersten Versorgungspunkt, aber irgendwie musste meine Brille beschlagen gewesen sein und ich begab mich daher zum zweiten Verpflegungspunkt. Harald kam mir entgegen und ich fragte ihm nach dem ersten Verpflegungspunkt. Aber Ingo, der ist doch ....... ! OK, was soll’s, meine Brille war halt doch beschlagen oder musste mal wieder ausgewuchtet werden!

Unterwegs kam ich an einem Imbiss-Stand vorbei und freute mich schon auf eine Currywurst und eine Tasse Kaffee. Irgendwie wollte es mir nicht so recht schmecken. Neben mir stand jemand mit einer ekligen Nikotinfahne. Ich hatte das Gefühl, dass auch mein Kaffee schon danach schmeckte und als der mir noch ein Ohr abnagen wollte, indem er mir von „seiner bescheuerten Alten“ erzählen wollte, so hatte er sich wirklich ausgedrückt, suchte ich das Weite. In meinem Magen grummelte es und es meldeten sich leichte Kopfschmerzen. Es war wohl der Dauerstress, dem ich ausgesetzt war. Diesen Stress, ob ich ihn nun berechtigter Weise habe oder nicht, kann mir keiner nehmen. Es helfen dann auch keine Sprüche: Das muss man alles nicht so verbissen sehen oder ähnliche Äußerungen. Würde ich es nicht verbissen sehen, dann könnte ich gleich daheim bleiben. So ein Unternehmen ist keine Spielerei. Du musst jeden Tag für etwa 70 Teilnehmer und Betreuer da sein. Diese müssen Essen, schlafen, haben körperliche und seelische Probleme, einige nette Zeitgenossen erzählen dir was du alles nicht richtig gemacht hast und überhaupt, an deiner Stelle hätte ich es so gemacht. Klasse, wenn diese Kameraden sich beim nächsten Mal mit einbringen würden, dann wäre es eine super, super Veranstaltung. Darauf angesprochen, bekommst du dann zu hören: Ja, ich muss ja Arbeiten. Hier sei nebenbei bemerkt, dass Ingo auch nicht über Langeweile klagen kann.

Hier ein Ausschnitt meines langweiligen Lebens: Ich arbeite im Dreischichtbetrieb, dass heißt: 3 Frühschichten, 3 Spätschichten und 3 Nachtschichten. Dann darf ich 2 ½ Tage faulenzen. Ich bin in einem Sportverein von 1.100 Mitgliedern als Schriftführer im Vorstand. In diesem Verein leite ich auch die Leichtathletikabteilung mit 115 Mitgliedern. Ich organisiere 1 bis 2 Volksläufe und so nebenher organisiere ich für die Stadt in diesem Jahr noch eine Inliner- Veranstaltung und einen Stadtlauf. Da bei diesen Veranstaltungen keine  Zeitnahme und Anmeldung gemacht wird, ist es natürlich kein großes Thema. Na ja, aber machen will auch das keiner. 1998 kandidierte ich für den Gemeinde- und Ortschaftsrat. Ich hatte mehr Glück als Verstand. Man wollte Ingo als Sportler und nicht als Politiker. Jemand sagte mir, dass ich schon als Sportler genug Scheiß herausrede, als Politiker wäre ich daher nicht auszuhalten. Es lebe hoch, dieser kluge Mann.

Zwischen dem 3. und 4. Versorgungspunkt befuhr ich einen Waldweg und war froh, dass ich da heil herausgekommen bin. Als ich diesen im Mai mit meinem Mountainbike abgefahren bin, musste ich immer wieder vom Rad absteigen, weil der Weg sehr sandig war. Jetzt mit dem Auto, hieß es nur noch volle Pulle und bloß nicht stehen bleibt. Wer stehen bleibt, muss angeschleppt werden und wenn der „Abschlepper“ auch stehen bleibt? Dann haben wir ein Problem!

Eine Weile wurde dran gedacht, das der 8. Versorgungspunkt weggelassen werden kann. In anbetracht dieses überaus freundlichen Wetters war es allerdings nicht unbedingt angebracht. Es hörte wirklich nicht eine einzige Minute auf zu regnen.

Ich musste mich jetzt beeilen, dass ich nach Bautzen kam. Ich war etwas unsicher, wo hier der Zieleinlauf gemacht werden sollte. Thomas und Sebastian hatten schon ihre Stellung auf dem Marktplatz eingenommen. Ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes wollte schon einschreiten, aber beim Stichwort „Spreelauf“ war alles in Ordnung. Wenige 100 Meter vom Zieleinlauf war die Turnhalle für die Übernachtung. Noch einmal wenige 100 Meter war die Halle mit den Duschen und noch einmal einige 100 Meter weiter sollte das Essen beim DRK eingenommen werden. Das wollte ich angesichts des heutigen Tages niemandem aufbürden und bat daher das DRK um eine andere Lösung. Man wollte das Essen dann in die Übernachtungshalle bringen. Das DRK war überaus zuvorkommend und sie brachten zunächst einen Kübel mit heißem Tee, der von den durchgefrorenen Läufern gern angenommen wurde.

Das Abendessen war mehr als reichhaltig. Ein ganzer Kübel mit Nudeln musste wieder mitgenommen werden. Als ich so meine Läufer und Betreuer beim Essen beobachtete, musste ich feststellen, dass die noch mehr als Wehrpflichtige futtern. Bei einigen hatte ich das Gefühl, dass sie auch die Portion aßen, die sie am Tage zuvor als Nachschlag nicht mehr bekommen hatten.

In Bautzen wurden einige Läufer auch von ihren Angehörigen erwartet. Da war die Familie von Henry Wehder, Brigitte Leismann, die Freundin von Hubert Karl, Christine Freter, die auch bei der letzten Etappe mitlief und die Familie von Rene Strosny. Rene hatte als Bautzener hier den absoluten Heimvorteil und ich bemerkte, wie er immer wieder von Leuten begrüßt wurde.

Horst, der Unermüdliche, machte sich jetzt schon schlau, wie er am nächsten Tag am besten aus Bautzen herauskommt. Ein Ehepaar, welches bei diesem Sauwetter einen Schaufensterbummel machte, erklärte Horst den Weg.

Inge machte heute einen recht abgeschlafften Eindruck und da sie in den vergangenen Tagen wenig von mir hatte, beschlossen wir, dass wir uns mal für eine Stunde absetzen. Im Einkaufszentrum setzten wir uns in ein Kaffee. Sie bemerkte meine Unruhe und so waren wir dann schon nach 45 Minuten zurück.

Es war heute eine gewisse Unruhe zu verspüren. Es war aber eine angenehme Unruhe, denn auch die ausgestiegenen waren wieder allerbester Dinge und wollten bei der Schlussetappe unbedingt dabei sein. Ich machte schon keine Notizen mehr, wer jetzt am nächsten Tag starten wollte und wer nicht. Man würde es am nächsten Tag sehen.

Ingo Schulze zur 6. etappe

Bautzen nach Eibau-Walddorf / 03.09.2001
50.5 km / 420.6 km gesamt
31.4 mi / 261.3 mi gesamt
33 tnamstart / 33 tngewertet

Tageswertung

1. 34 Hubert Karl Deutschland 4:18:21
2. 12 Guus Smit Niederlande 4:27:32
3. 31 Franz Häusler Deutschland 4:34:36
 

Gesamtwertung

1. 03 Rainer Koch Deutschland 33:39:44
2. 09 Henry Wehder Deutschland 33:55:28
3. 11 Rene Strosny Deutschland 34:50:11

Die Schlussetappe

Heute wurde erst um 07:00 Uhr geweckt. Es war die Schlussetappe unddie Stadt Eibau hatte darum gebeten, dass die Läufer zum „Spreequellfest“ um etwa 14:00 Uhr einlaufen. Nach dem müden Empfang, im letzten Jahr in Berlin, waren wir auf den Einlauf und Empfang in Eibau-Walddorf gespannt. Einlauf beim „Spreequellfest“ hörte sich schon sehr vielversprechend an und wir sollten nicht enttäuscht werden.

Lothar Eberhard, unser rasender Reporter, wollte sich auf seinen Draht schwingen, um mit Horst Straube vorauszufahren. Er musste leider feststellen, dass ein netter Zeitgenosse in der Nacht beide Reifen zerstochen hatte.

Die Sonne lachte und es versprach ein herrlicher Tag zu werden. Man muss halt nur den Kontakt nach oben pflegen, dann läuft alles wie von selbst!

Horst war mit seinen Mannen bereits unterwegs, wahrscheinlich, weil er das „Eibauer“ beim „Spreequellfest“ nicht abwarten konnte!? Heute startete die erste Gruppe mit etwa fünf Minuten Verspätung. Es wurden noch Aufnahmen gemacht und die Presse stellte noch einige Fragen. Dann war es soweit: Auf zur letzten Etappe!

Die Markierung war wieder sehr eindeutig und doch war sie heute an einigen Stellen doch etwas mager. Hansi und Inge waren heute weniger angespannt, da sie heute nicht einkaufen mussten und so übernahmen sie die Ergänzung einiger Teilabschnitte der Markierung.



Später erfuhr ich von einem Verkehrsunfall, der sich etwa fünf bis sechs Kilometer nach dem Start der zweiten Gruppe ereignet hatte. Ein Fahrzeug mit offenbar zu hoher Geschwindigkeit kam ins Schleudern, überschlug sich und blieb auf der Seite liegen. Karl Heinz Wiegand und Hinrich Peters waren zur Stelle und befreiten zwei Damen, im Fahrzeug, aus ihrer misslichen Lage. Diesen beiden Teilnehmern sei recht herzlich gedankt. Es ist einerseits eine Selbstverständlichkeit das man hilft, andererseits haben diese beiden Läufer auch kein Aufsehen darum gemacht, indem sie womöglich um ihre verlorene Zeit feilschen wollten.

Ich versuchte heute an jedem Versorgungspunkt zu sein, weil wir heute viel Fremdpersonal hatten. Ich wollte heute, dass die Betreuer zeitig im Zielbereich sind, damit sie ihre Läufer und Läuferinnen kümmern im Zielbereich beglückwünschen konnten. Henry hatte einige Leute finden können, die hier mitwirken konnten.

Leider kam ich nur bis zum 2. Verpflegungspunkt, da erreichte mich ein Anruf von Frank Tröger, Er war der Moderator beim „Spreequellfest“. Er  wollte noch einige Auskünfte von mir. Als ich ihm aber sagte, dass ich gegen 13:00 Uhr vor Ort sein wollte, hatte sich das vorläufig erledigt. Wir konnten die Details noch rechtzeitig  im Zielbereich besprechen.

Ich suchte nach einer Möglichkeit, möglichst schnell nach Eibau-Walddorf zu kommen, konnte es mir aber nicht verkneifen, immer mal wieder auf die Strecke abzuweichen. Im Bereich Sohland traf ich meine Streckenmarkierer. Horst hatte offenbar ein Problem mit seinem Fahrrad. Ich fuhr langsam weiter und war etwas irritiert als mir Hansi und Inge entgegenkamen. Sie waren hier mit der Streckenmarkierung beschäftigt. Sie hätten für mein Dafürhalten aber in meine Richtung markieren müssen? Auch hier gab es ein Brückenproblem und ich ging davon aus, dass es damit zu tun hatte.

Auf meinem weiteren Weg nach Eibau-Walddorf ging es mir immer wieder durch den Kopf, ob ich recht hatte oder nicht? Es kam, wie es kommen musste, Inge rief an  und erzählte mir von einem Markierungsproblem. Im Moment war ich aber nicht in der Lage, nachzuvollziehen, ob es mein Problem von vorhin war oder ein neues. Ich bat Inge darum, dass sie sich beeilt mit der weiteren Erkundung, bis sie wieder auf Horst trifft. Eile war auch geboten, weil auch die Läufer irgendwann auftauchten. Nach meinem Zeitplan hatten sie für ihre Maßnahmen noch beinahe eine Stunde Zeit. Ich rief Horst an. Horst sagte, dass sich alles im grünen Bereich bewegt. Ich konnte meinen Puls also wieder auf normal bringen.

Sigurd Dutz musste nach der 2. Etappe aussteigen und übernahm mit seiner Frau Heidrun die Versorgung der Teilnehmer. Auch er war heute am Start und lief, als Starter der 1. Gruppe, weit voraus. Irgendetwas stimmte heute nicht. Es liefen Teilnehmer voraus, die ich weiter hinten vermutete. Was ich bis zu diesem Zeitpunkt aber nicht wissen konnte, war das Vorhaben der Spitzenläufer, dass sie sich am letzten Tag zurückhalten wollten. Ihre Positionen der ersten drei Plätze waren ohnehin unantastbar und sie wollten nicht als erste einlaufen. Es war eine nette und kameradschaftliche Geste. Sie konnten sich untereinander natürlich in der noch Platzierung gefährden, denn die Abstände waren nicht weit auseinander.  Bis zum Zieleinlauf in Bautzen sah es noch recht eng aus. Von Koch zu Wehder waren es nur 7:19 Minuten und dazwischen lag Strosny. Am letzten Tag hieß es auch für sie kämpfen und gegenseitig im Auge behalten.

Ich erreichte Eibau und traf hier einige Feuerwehrleute und Herrn Zschietschmann. Sie waren schon alle auf Posten, was allerdings noch viel zu früh war. Ich sagte ihnen, dass es noch mindestens eine Stunde dauert, bis der erste Läufer Eibau erreicht. Eine Frau sagte darauf, dass ja dann noch kurz heim kann, um Kaffee zu kochen und eine andere wollte schnell noch Kuchen besorgen. Es waren noch weitere Feuerwehrleute anzutreffen und ich freute mich darüber, dass in diesem Bereich wirklich alles getan wurde, um den Teilnehmern des „2. Internationalen Spreelaufes“ einen angenehmen Einlauf ins Ziel zu bereiten.

Als ich bei einem weiteren Feuerwehrposten eintraf, rief Inge wieder an. Der Verlauf der Strecke war ihrer Meinung immer noch nicht eindeutig. Mir liefen einige Schweißperlen von meiner hohen Stirn und es kam ein banges Gefühl auf. Sollte ausgerechnet wenige km vor dem Ziel eine Panne passieren? Sie sollte jetzt haargenau nach der Streckenbeschreibung verfahren. Horst beruhigte mich ein zweites Mal und auch Inge meldete sich kurz darauf mit einer Positivmeldung, puh!

Kurz vor der Spreequelle stieg ich aus meinem Fahrzeug und suchte nach einem Baum, der breiter war als ich, dieser wurde aber schnell gefunden. Gruppen von Fußgängern waren auf dem Weg zum „Kottmar“ um das „Spreequellfest“ zu besuchen. Eine Familie blieb an meinem Fahrzeug stehen und betrachtete die Aufkleber. Ich machte wieder ein glückliches Gesicht und stellte mich ihren Fragen. Sie berichteten mir, dass sie den „Spreelauf“ aufmerksam verfolgten und das ihre Bekannte, Jana Richter, auch mitläuft. Na klar, Jana Richter lief die letzte Etappe mit und wie ich später erfuhr, war sie eine Weltreisende in Sachen Sport und laufen.

Im Zielbereich traf ich den „Ortsrumsteher“ Frank Münnich und den Moderator Frank Tröger. Es gab noch einiges zu besprechen. Uwe schenkte mir schon mal ein „Eibauer“ ein. Dann bereitete ich mich auf den Zieleinlauf vor.

Es wurde ein reichhaltiges Programm geboten und das Fest lief bereits seit 10:30 Uhr mit einem Frühschoppen und Böhmischer Blasmusik. Es folgten Tanzgruppen der OKG „Bonanza“, und Gesang mit den „Spreequellfinken“, Artistik-Schönbach, das Jugendblasorchester Bautzen, der Männergesangverein Obergurig, das Dorfensemble Walddorf und um 17:30 Uhr sollte der Einmarsch der Läufer mit anschließender Siegerehrung stattfinden. Die Tanzgruppe OKG (Cheerleader) war mit einer Luftballonaktion dabei, dazu aber später.

Ich bekam einen Anruf, dass unsere Läufer, die nur an der Schlussetappe teilnahmen, sich auf der Zielgeraden befanden. Mir war dabei nicht ganz wohl, denn ich hatte die ersten Drei, also die Spitzenläufer erwartet. Wie aber schon gesagt, konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht wissen, das sich die Spitzengruppe zurückhielt und einen Dreikampf unter sich ausfochten.

Jana Richter, Ralf Noack und Christine Freter kamen gemeinsam als erste ins Ziel. Der Moderator stellte sie als „Gastläufer“ vor. Der Gastläufer, Eberhard Scholze aus Ebersbach, war heute der mit 64 Jahren der älteste Teilnehmer. Er legte die Strecke über 50,5 km in 4:53,40 Stunden zurück. Er war damit in der Gesamtwertung des Tages auf dem 9. Platz

Nach und nach trafen die Teilnehmer einzeln oder in kleinen Gruppen ein. Jeder wurde mit Beifall empfangen. Zwischendurch wurde immer wieder das „Spreeläuferlied“ gesungen. Das diesjährige „Spreequellfest“ stand im Zeichen des Sports. Die Teilnehmer fühlten sich angesichts soviel Teilnahme sehr geehrt.

Dann begannen die Vorbereitungen für den Einmarsch der Läufer und Betreuer. Die Cheerleaders nahmen mit großen Luftballonbündeln in einer Spalierformation Aufstellung. Mit flotter Musik marschierten alle „Spreelaufbeteiligte“ unter dem Spalier der hübschen Mädchen mit ihren Luftballons ins Richtung Bühne. Auf der Bühne wurde es mit den Musikern und den Teilnehmern recht eng.

Frank Tröger stellte sich vor der Bühne auf  und nahm die Siegerehrung vor.


Rainer Koch  in  33:39,44 Ruth Jäger  54:31,48
Henry Wehder  in 33:55,28 Sigrid Eichner  58:23,22
Rene Strosny  in 34:50,11



Die Sieger erhielten jeder einen großen Pokal, welche von der Gemeinde Eibau-Walddorf gestiftet wurden. Dazu kamen einige Sachgeschenke, von der „Münch-Bräu „ Brauerei und ein kleines Geschenk vom „Marktgraf von Spandau“ und Gattin. Sie kostümiert aus der Zeit von Ludwig des IV.

Die Drei Erstplatzierten ließen jeder einen großen Bund Luftballons in den Himmel steigen. Dann erfolgte die Siegerehrung der Frauen. Hier war Frank Tröger etwas zu schnell, denn die Frauen hätten ebenso an der Luftballonaktion beteiligt werden müssen. Das ist leider etwas untergegangen und ich habe auch nicht reagieren können, weil ich nicht wusste, wie es weitergeht. Rut Jäger fragte schon nach, ob im nächsten Jahr auch Luftballons vorhanden sind? Gern hätte ich es den Frauen auch gegönnt. Wie heißt es aber immer so schön? Das ist eben life!

Anschließend nannte ich jeden Teilnehmer und ließ ihn vortreten. Zu den meisten sagte ich noch einige Worte. Ich merkte allerdings auch, dass mir die Zeit im Nacken saß, denn das „Spreequellfestprogramm“ war noch nicht zu ende und ich musste von der Bühne verschwinden. Gern wäre ich noch auf jeden Betreuer eingegangen, aber der aufmerksame Beobachter hat sicherlich die Situation erkannt. Sollte ich mich also bei irgendjemand nicht ausdrücklich bedankt oder ihn nicht erwähnt haben, so lag es nicht in meiner Absicht, sondern in der Zeit die mir auch in der übrigen Zeit immer wieder im Nacken saß. Heute, wo ich so vor mich hinschreibe, fällt mir doch noch einiges ein, was ich alles machen und sagen wollte. Vieles muss aus dem Stegreif gemacht werden, es muss improvisiert werden und man ist dann froh, wenn es zum Schluss hinhaut. Man sollte daher das Gesamtbild betrachten und nicht auf Einzelheiten, die einem selbst betreffen.

Frau Kühn vom Skiclub Kottmar bereitete uns ein sehr gutes Abendessen und ein ebenso gut nettes Frühstück. Tölpelhafterweise bin ich mit meinem Auto noch über die Auslaufspur der Skispringer gefahren. Als Sportler hätte mir das nicht passieren dürfen. Herr Kühn machte mich darauf aufmerksam und es war mir recht peinlich.

Alles ist aus

Ingo Schulze
Wir waren froh mal wieder in Betten schlafen zu  dürfen. Es war schön morgens aufzustehen ohne den Tagesablauf der vergangenen Tage zu verfolgen. Meine Läufer fragten allerdings schon, wann Start ist und wie viel km vor uns liegen!

Der Bus, der die Läufer nach Berlin bringen sollte, wurde kurzerhand für eine Stunde früher bestellt. Nach und nach bewegten sich die Läufer bergab, in Richtung Parkplatz, wo der Bus auf uns warten wollte. Ich hielt immer mal wieder an und fragte, ob jemand mitfahren wollte. Richtige Läufer wollen auslaufen und wenn es bergab geht, was ist dann schon dabei!?

Es war ein Bus für 22 Personen und es wurde zu meiner Überraschung eng. Der Busfahrer versicherte mir aber, dass es kein Problem ist, dann wird das Gepäck halt weiter gestapelt. Der Bus war zur Abfahrt bereit, aber halt, da fehlt noch jemand, ja Vater und Sohn Nickel. Ich fuhr mehrere Male zurück, aber keine Nickels. Klaus-Dieter Hartmann, der den VW Bus von der Firma BRAUN mit nach Berlin nehmen wollte kam mir entgegen und rief mir zu, dass er die Verlorenen dabei hat.

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